Let’s talk about

Let’s talk about

Kreatives Schreiben

Let’s talk about ist ein Text in dem es im übertragenen Sinne um die Körbchengröße geht. Auf jedenfalls nicht eindeutig zu verstehen. Zweideutig, mehrdeutig, vielleicht auch etwas schlüpfrig. Das überlasse ich gerne mal dem Leser. Auf jeden Fall ist es nicht immer ratsam, hundisch zu können. Denn ich glaube, dann würde sich so mancher definitiv keinen Hund anschaffen. ^^

Let’s talk about

„Wuff“, sprach Hund 1 neulich und meinte: „Mein Herrchen ist doof! Und bei euch so?“
„Wuff-Wuff-Wuff“, entgegnete da Hund 2 und übersetzte für die nicht assimilierten: „Mein Frauchen ist schon lange der Meinung, dass ich einen noch viel Größeren brauche. Denn die Nachbarsbienen sind wohl scharf auch mich.“
„Wuff-Wuff“, warf Hund 3 wie auf Bestellung ein und übersetzte für die Nichthundischen: „Ich werde hier noch emigrieren nach Hundturkischtan. Dort darf ich sein, wie ich bin. Fressen, was ich will. Lecken, wen ich will. Und beißen, wer mir doof kommt.“
„Wuff-Wuhuuuf-Wuff-Wuhuuuf“, bellte sich da Hund 4 aus dem Hintergrund die Seele aus dem Leib und dazu ganz ernsthaft: „Die Menschlichen werden uns schon noch vermissen, wenn wir nicht mehr sind. Meine hat mir nämlich angedroht, ich müsse gehen, wenn …“
„Wuff?“, fragte Hund 1 und jaulte: „Wie, wenn? Was, wenn? Was soll das denn für ‘ne Ansage sein?“
„Wuuuuhuuuuffffz“, jaulte Hund 4 darauf hin und meinte: „Ach, … ich weiß doch auch nicht. Mein Frauchen ist schon alt. Glaube, die machts nimma lange. Und ihre Kinder, diese verzogenen Gören? Die verpassen mir immer nen viel zu kleinen Korb, nur um mich aus Spaß zu quälen. Also ich sach‘s euch …“
„Wuff-Wuff-Wuff-Wuff-Wuff-Wuhuuuufffff!!!!“, entgegnete da Hund 3 und meinte damit zu gut Deutsch: „Ach halt doch dein Maul! Du mit deinen Horrorgeschichten! Mein Korb ist dafür um so größer als deiner. Und eigentlich geht’s mir ganz gut bei meinem Bürosingle. Er verpasst mir nur nen Korb, wenn wir bei ihm auf Arbeit sind. Weil er Schiss hat, dass ich eventuell seine Vertraulichkeiten würde ausplaudern können.“
Und dann so Hund 2: „Wuff-Wuff“, sei froh, dass sie kein Hundisch verstehen! Die würden dich sonst bis ans Ende deiner Tage zensieren, weil du den Büro-Kolleginnen deines Herrchens hinterherhechelst und Stilaugen bekommst, wenn sie auf der Damentoilette gut duften und ihr Dekolleté richten. Glaub mir, du würdest deiner noch verbleibenden Hundeleben nicht mehr froh werden! Wenn sie dich nicht gar sofort dem Hundefänger mitgeben würden …“
„Wuff-Wuhuff-Wuffz-Wuff“, bellten sie plötzlichen alle miteinander um die Wette und meinten sich dabei gegenseitig übertönen zu müssen. Dabei wedeln sie mit ihren Schwänzen und begrüßten gar herzlichst ihre Frauchen und Herrchen, die sie jeweils von der Hundewiese um die Ecke zu sich riefen und pfiffen, um die allabendliche Gassierunde fortzuführen.
Und ich als anwesender Hund Nummer 5 kann Ihnen auf menschisch sagen, dass sich am Ende alle darüber einig waren, dass sie es doch noch immer ganz gut getroffen hätten. Sprich: „Schlimmer geht immer! Und wenn, können wir immer noch weglaufen…“
„Oder was wuffzet ihr dazu? Sagt doch auch mal was! Oder hat euch eure Herrschaft schon so gut verzogen, dass ihr nimmer was meinen wollt, selbst wenn ihr könntet?“

 

© CRKSK, LE, 06/2024

 

Never change a running System?

Never change a running System?

Kreatives Schreiben

Never change a running System ist ein Text, der von Routinen und Systemen zu erzählen weiß. Vom Alltag sozusagen und Gewohnheiten.

Never change a running System?

„Darauf eine Schokolade“, dachte Lynn Lonely und griff, als er endlich das Regal im Discounter gefunden hatte, entnervt zu. Ihm zitterten die Knie und er fühlte sich geschwind ein wenig wie das atemlose Espenlaub nach einem gehörigen Spätfrühlings- oder schon fast Frühsommersturm, der dieser Tage doch recht kühl und auch sehr nass ausgefallen war.
„Never solltest du a running System changen“, stellte Lynn verzweifelt fest. “Denn danach läuft erstmal nix mehr so rund, wie man es eben gewohnt war“, maulte er am Ende. Gefühlte Stunden eierte er schon orientierungslos in den Gängen des kompletten neu- und umgestalteten Supermarktes herum und fand am Ende doch immer nur das, wonach er eigentlich gar nie-nicht gesucht hatte.

Fast ganze zwei Stunden hatte er heute für den Wocheneinkauf in seiner Diskounter-Filiale gebraucht, und dabei war er schier verzweifelt gewesen. Denn nichts war mehr so, wie es im vorherigen alten Geschäft gewesen ist. Das brachte ihn so sehr aus der Fassung, dass er nur das Allernötigste für die neue Woche einkaufte und sich an der Kasse sogar darüber freuen konnte. Schließlich hatte er in der Woche davor, aufgrund der zeitlich temporären Schließung seiner altgewohnten Filiale, notgedrungen bei der viel teureren Konkurrenz einkaufen müssen. Und das war ihm um einiges teurer und irgendwie auch voluminöser gekommen als der heutige Jungferngang in den umgebauten Räumlichkeiten.

Lynn war noch immer ganz zittrig zumute, als er am Schreibtisch saß und die weiße Schokolade mit den ganzen Wahlnüssen aufriss. Justament wunderte er sich nicht darüber, dass es Wahlnüsse waren und keine normalen Wallnüsse oder gar Haselnüsse. Und obendrein noch ganze und keine gehackten. Denn er hatte doch immer eine Wahl, bevor er sich ins nächste Abenteuer des Lebens stürzte. Zumindest bildete er sich darauf etwas ein.

Die Wahl der Qual des neuen Webseiten-Designs zum Beispiel und der Entscheidung darüber, wo und wann da seine Prioritäten lagen, dieses Design für seine Bedürfnisse anzupassen und wann er das Ganze in die Tat umsetzen wollte.
Ebenso hatte er die Wahl darüber, was er jetzt sofort in seinem System anders manifestieren wollte oder gar neu und in welchem Umfang dies geschehen sollte und was dann auch bis nach dem baldigen Besuch seiner Freundin warten konnte.
Denn es musste nicht immer alles gleich und sofort geschehen. Das zumindest bläute sich Lynn Lonely beim raschen Verzehr dieser weißen Schokolade ein und ergötzte sich darüber, wieviel Zucker er schon wieder zu sich nahm, um seine angespannten Nerven zu beruhigen und sich in gewisser Weise auch zu belohnen.
In seiner Erinnerung klangen dabei auch die Worte seines Noch-Therapeuten an. Die da meinten, dass mit einem essenssüchtigen Verhalten oft auch ein sozialer Mangel einhergehen kann. Und das machte Lynn wiederum traurig, obwohl er sich bei all seinem Wörk-Wörk gar nicht einsam fühlte, auch wenn er so ziemlich allein lebte.

Schließlich hatte er tatsächlich immer die Wahl der Wahlen und politisch Wählen war er neulich auch. Wenn auch nur per Briefwahl. So wie immer. Das ließ er sich schon gar nicht nehmen. Das hielt er für seine Bürgerpflicht.

So wie er es sich ebenso zur gefühlten ersten Pflicht gemacht hatte, zumindest seinen Spaßdingen immer oder manchmal auch nur sehr oft ziemlich zeitnah zu folgen. Auch wenn dies gelegentlich bedeutete, mehr Chaos in seine gewohnten Trampelpfade zu bringen als vielleicht objektiv betrachtet nötig gewesen wäre.

Heute Morgen zum Beispiel geschehen. „Aber es sind ja auch noch gute drei Wochen hin bis zum Besuch meiner Freundin“, beruhigte sich Lynn Lonely und schrieb noch einen weiteren Text. Denn er hielt sich heute für mitteilungsfreudiger als gewöhnlich. Und normal war in den Augen andere Leute gelegentlich schon viel Sprech- oder auch Schreibdurchfall. Manchmal aber auch viel zu viel.

© CRSK, LE, 06/2024

 

Hellhörig

Hellhörig

Kreatives Schreiben

Hellhörig ist ein Text in dem es um die eigenen Erwartungshaltungen aber auch die um anderer Leute. Und soziale Prägungen.

Hellhörig

Lynn Lonely hockte nackt in seiner Ecke und hatte sich dort zusammengekauert. Er schimpfte mit sich selbst und klang dabei wie ein wetternder Rohrspatz, der sehr, sehr tief durch den Sumpf der Vorwürfe abtauchen musste, um zum goldenen Hort seines versunkenen Positivismus vordringen zu können.
Er wusste nicht so genau, wie ihm geschehen war, sah sich aber justament seiner kleinen Lisa gegenüber, die sich fürchterlich gebar und deshalb auch schon ganz zerzaust aussah. Lynn konnte sie dabei beobachten, wie sie vor dem Spiegel ihrer Mutter stand und gegen ihren eigenen Schatten anfocht, um ihn loszuwerden oder zumindest um ihn zu besiegen. Damit sie sich den Spiegelfechtern anschließen konnte.
Außerdem erahnte Lynn, dass sich seine Lisa justament auch gegen die Erwartungshaltung ihrer Mutter aufbäumte, nur um ihr mit dem Schuhlöffel den inneren Stinkefinger zeigen zu können. Denn sie hasste es, sich beweisen zu müssen und überhaupt etwas zu müssen.
Und Lynn tat es innerlich in der Seele weh, Lisa so leiden zu sehen. Er konnte den Stummel ihres Selbstwertes berühren und wusste, dass er problemlos in eins der Reagenzgläser des Vaters passen würde.
Er sah zu, wie Lisa Wut-Träne um Wut-Träne einsammelte, um sie in eben dieser Reagenzglas-Apparatur des Vaters zu verwahren, bis der Tag kommen würde, dass die Menge zum Ersäufen der Strohballen reichen würde. So jedenfalls war es Lisas Plan gewesen, das wusste Lynn.
Und er wusste auch, warum Lisa diese Strohballen nicht gerngehabt hatte. So wie sie damals alles andere um sich herum auch nicht bedingungslos liebhaben konnte, sondern, wenn dann, nur in dem Maße hatte mögen können, wie sie sich selbst eben auch nur millimetermäßig bis hin zum Nullpunkt gemocht hatte.
Denn die Strohballen waren ein Sinnbild dafür, dass sie aufgrund des Prinzips der bemütternden Sicherheitsdenke und auch aufgrund ihrer eigenen Ängstlichkeit nie auf ihnen herumtollen durfte und sie sich stehts an dieses auch selbst auferlegte Verbot gehalten hatte, während andere sich damals einen feuchten Kehricht darum gekümmert hatten, was die Erwachsenen dazu sagen und was für eine Strafe sie dafür bekommen würden.

Lynn fühlte sich ganz mürbe. Er war es leid, dass er sich dann und wann für die aufgestaute Wut seiner Lisa rechtfertigen musste. „Dann und wann ist gut“, lachte er etwas verzweifelt auf. „Das passiert in letzter Zeit wohl doch eher öfters als selten“, überlegte er und riss seinen Mund weit auf, um einen mehrfachen lauten Gähn-Brüll-Seufzer loszulassen. Die Nachbarn waren ihm dabei herzlichst egal. Denn sie scherten sich schließlich auch nicht darum, wenn er mitten in der Nacht etwas von ihren regelmäßigen Schlafzimmerinfernos mitbekam. Die Wände hier waren sehr hellhörig.

„Apropos Inferno“, dachte Lynn und schielte verstohlen zu seinem kaputten Dildo hinüber. Nicht ganz ein Jahr hatte er gehalten und schon war seine Silikonhülle eingerissen. „Wie ätzend“, überlegte Lynn weiter. „Jetzt tut mir das Poloch weh“, fuhr er fort.
„Das Innenleben der Mechanik ist zwar durchaus interessant zu betrachten, bringt mich aber momentan kein Stück weiter im Geschehen“, überlegte Lynn Lonely.
„Auch wenn ich zu gern genau jetzt damit arbeiten würde …“

Plötzlich ertönte die Klingel an Lynns Wohnungstür und riss ihn aus seinen Gedanken. Als er schließlich durch den Türspion blickte, stand seine Welt auf einmal Kopf. Denn er wurde sich messerscharf darüber im Klaren, dass seine Schnalle bald auf der anderen Seite der Wohnungstür stehen und an seinem gefühlten Chaos teilhaben würde.
Und erneut schrillte es, dieses Mal allerdings tatsächlich in Lyns Kopf. Ihm wurde es schlagartig bewusst, dass er wiedermal einer gewissen Erwartungshaltung sich selbst gegenüber aufgesessen war und dagegen versuchte er anzugehen …

© CRSK, LE, 06/2024