Jeder hat eine Insel

Vom Mosaunen

„Müss’n, müss’mer gar nix, außer irgendwann sterbseln“, mosaunte Bella ihren Kater an, der gar nix dafürkonnte, dass sie nicht in der Stimmung war, um anderer Leute Launen zu ertragen. Denn sie hatte letzte Nacht einen Traum gehabt, in dem ihr beschieden worden war, dass sie ein Quastenflosser der besonderen Art sei, der unter einer Käseglocke lebte.
Genüsslich webte Bella in diesem Moment der Einkehr in ihre Stille dieses Träumchen fort, in dem sie ihm Pantöffelchen anzog, eine Pfeife in sein Fischmaul stopfte und ihm eine Baskenmütze aufsetzte, so dass er wie sie den Alltag vergessen konnte, um sich unter seiner Käseglocke häuslich einzurichten.

Alle wusste von dieser kleinen Insel in Bellas Fluss der Alltäglichkeiten und den Stromschnellen des Stresses. Aber niemand außer Bella war dazu in der Lage, auf ihrer Welle des trauten Heims im Glück allein mitzusurfen, um ihr eventuell dabei Gesellschaft zu leisten, weil Bella sich außer Stande dazu sah, andere unter ihre Glocke zu lassen.
Dennoch fühlte sie sich lebendig. Lebendig im Rausch ihrer Kapriolen des Geldes. Lebendig im Sein ihrer Wohnung voller Stehrumchen, die allesamt ihrer Hand entsprungen waren. Und lebendig in den Augenblicken, in denen sie ihren Content aus lauter Nullen und Einsen im Wörldigen weiten Web erschuf und somit doch das Außen an ihrem Innen teilhaben ließ.

Spitzbübisch lächelte Bella, als sie ihren Quastenflosser in Gedanken tätschelte und ihm frisches Wasser in die Badewanne einließ. Er würde ihr immer Gesellschaft leisten, wenn sie sich doch mal einsam fühlte und es ihr schwerfiel, dass Glück in ihrem Herzen zu fühlen.

Grenzenlos war ihre Vorstellungskraft nicht. Aber dennoch genügte sie, um ihr immer wieder unerwartete Anreize im Leben zu schaffen. Wenn nur nicht immer das nicht vorhandene liebe Geld gewesen wäre, das sie daran erinnerte, dass sie sich viel zu sehr an den Dingen festhielt, die sie beziehungsweise ihre Käseglocke wohnlich machten. Denn was würde sie davon schon mitnehmen können, wenn sie denn doch einmal würde müssen müssen?

So wanderte Bella um vier Uhr in der Frühe durch ihre Wohnung. Auf ihrer Haut krabbelten mal wieder ihre Seelenameisen und niemand wollte ihr das abnehmen, auch nicht ihr Quastenflosser. Sie waren sich ob der Tatsache einig, dass sie jetzt meditieren würde. Und so startete sie ihren Tag im Einklang mit sich selbst.

© CRSK, Le, 01/2023

8 reizende Worte:

  • Traum
  • Genüsslich
  • Vergessen
  • Lebendig
  • Welle
  • Spitzbübisch
  • Grenzenlos
  • unerwartet

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