die eiche

Die Eiche

Wenn du beim Aufwachen am frühen Morgen ein Bild vor Augen hast …

Die Eiche war schwarz vor lauter Vögel, so dicht hatten diese ihre ausladenden Zweige im Morgennebel auf dem kleinen Hügel besetzt und dabei den Boden unterhalb der Krone des Baumes und zwischen dessen Wurzeln mit ihrer Weisheit beglückt. Schwarzes Wissen oder vielmehr weiße Schwärze oder vielleicht auch graue Unwissenheit? Wer weiß das schon so genau …
Jedenfalls waren die Vögel nun dort und taten sich gütlich an den noch grünen und kleinen Eicheln des Baumes. Sie vögelten wie wild um diese und deren Äste und wetterten untereinander auch um die Wette, wer von ihnen denn am längsten und am höchsten oder weitesten, wie auch immer, die ausgelutschten Eicheln dann würde spucken können.

Das jedoch wurde unter den Mitgliedern des Vogelclans der schwarzen Witwe nie ernsthaft ausgefochten, denn eine Hitzewelle jagte die nächste in diesem Spätsommer und immer, wenn die Welt mal etwas aufatmen konnte, kam der nächste Geizhammel und ließ etwas Rares auf das Konto der Mutter Erde anschreiben.

So traf ich jedenfalls eines Tages in diesem Sommer vor zwei Jahren die schwarzen Vögel laut schwatzend, auf eben jenem Baume sitzend, an. Und mir war glasklar, dass ich der Baum gewesen war, der den schwarzen Vögeln Obdach gewehrte. Und ein paar von ihnen spukten mir meine Eicheln auf den Kopf und krächzten in ihrem Eifer wild umher.
Sie kamen mir so vor, als seien sie meine Schüler, wenn sie zu jener Zeit mal wieder irgendeine wichtige Erkenntnis in die Welt hinausposaunten und niemand diese nach ihrer Vorstellung zur Kenntnis nahm oder vielmehr sie selbst dafür lobte, wie die kleinen Kinder, die alles richtig gemacht hatten.
So klaubte ich damals die klebrigen Batzen von meiner Glatze auf und formte aus diesen mit meiner Hände Arbeit ein Nest, dass ich der Eiche zur Ansicht zwischen ihre Wurzeln legte, um dann ihren breiten Stamm mit meinen Armen abzuschreiten und sie von allen Seiten zu umarmen. Auch die Seite, vor der ich das Nest mit den ausgekotzten Eicheln gelegt hatte.

Irgendwann hatte die Eiche meinen Hinweis verstanden und rollte schließlich ihre Blätter, Zweige und Äste ein, während sich die schwarzen Vögel wild aufflatternd in die Luft erhoben, um sich über ihrer Baumkrone zu einem Wirbelwind zu formieren und sich dabei in die Höhen des Himmels zu schrauben.
Ich widersprach dem Baum und auch mir selbst dabei nicht, als ich mich Schritt für Schritt wieder vom Hügel entfernte, um zurück in meine Stille zu wandern, die laut nach mir rief.

Ich würde gute zwei Jahre benötigen, um anderen Ortes wieder vor einer Eiche zum Stehen zu kommen und wieder das Bild der schwarzen Vögel vor meinem inneren Auge zu sehen.
Dieses Mal allerdings, so hoffte ich jedenfalls, würden diese krächzenden Tiere auseinanderstieben, wie die Scherben eines zerspringenden Spiegels, einfach weil ich es so wollte.
Dieses Mal wäre ich der lernende Externe und nicht der vergötterte, der die Anbetenden wieder fortschickte, auf ihre Suche nach Antworten, die er nicht geben konnte …
Oder aber ich wäre einer der inzwischen gar nicht mehr so schwarzen Vögel und würde meine Lehrerin dieses Mal nicht mit aberwitziger Voreiligkeit bemühen.
Wer weiß das schon so genau?

© CRSK, Le, 07/2022

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