a kind of budenzauber

A Kind of Budenzauber

Kennst du das? Etwas schleicht sich wie ein kalter Anhauch von hinten an dich heran und lässt dich herzrasend, kniebuttrig und überall schwitzig zurück, obwohl du gar keine Ahnung hast, was dieses Etwas sein könnte, dass dich da in seinen Bann zieht?

So oder so ähnlich erging es neulich Niklas Laasen, als er in der brütenden Mittagshitze saß und gar kein Schatten ihm Trost spenden wollte, weil er sich schon seit Wochen weigerte, zur Probe der Flugtauglichkeit seines neuartigen Gefährtes mit den gezüchteten Bionik-Fellnasen zu gehen. Damit man in Zukunft dem Artenschutz der überlebensschwachen Rentiere in dieser naturfeindlichen Zeit gerecht werden konnte, um so die letzten ihrer Art vor dem Aussterben zu retten.

Doch Niklas Laasen schien das alles nicht zu interessieren. Er stierte in die Wüstenei aus irdisch ungezählten Wohnsilogerippen hinein und schniefte mit seiner rot geschwollenen Nase in einem fort. Seine Augen tränten und waren von den Millionen an Spuren unechter Tierhaarpräparate dieser Welt, die während seiner Arbeit für die World-Foundation of Lucky Kids immer wieder an seinem Hybridanzug haften blieben, ganz zugeschwollen.
Justament nieste er mehrfach hintereinander, ohne ruhig durchatmen zu können und verfluchte seine Allergie, die über die letzten Jahrzehnte trotz aller Medikamentengaben nach einer gewissen Zeit immer wieder durchgebrochen war, um ihn mit der Nase darauf zu stoßen, dass früher, zu Urururgroßvaters Zeiten als es noch eine lebendige Natur gegeben hatte, natürlich alles besser gewesen war.

Er hasste diese künstlichen Enklaven -Dunstglocken-Welten, die man in aller Eile nach den großen Umweltkriegen wie lauter unter den Schleiern vieler Sonneneruptionen zerlaufende Käsesorten für die verstrahlten Überlebenden notdürftig erschaffen hatte und war sich zunehmend uneins darüber, wie er mit sich selbst darin weiter verfahren sollte.
Er wusste nicht, ob er sich auch weiterhin für die lebensfeindliche Umgebung biologisch und mechanisch optimieren lassen sollte, damit er alljährlich zum Julfest seiner Vorfahren ausschwärmen konnte, um den kleinen Erwachsenen dieser Tage wenigstens noch ein bisschen heile Vergangenheit zu bieten. Oder ob er nicht einfach für immer seinen Akkustecker vom Netz nehmen sollte.
Denn er war es so müde und mürbe auch von der seit Jahrzehnten und hunderten von Jahren übertünchten Tristesse des Festes, wenn er immer am sechsten des neuen Jahresrades die Julzeit ausläutete, um seine milden Gaben unter das Volk zu bringen. Es war eben nicht mehr dasselbe, wie ihm, immer wenn er es hören wollte, die Hologramme seiner altehrwürdigen Vorfahren zu berichten wussten.

Er war der letzte seiner Zunft und sein uralter Teddy mit den steifen Gliedern konnte sich schon lange nicht mehr gesund heilen, wenn sein Unterleib nach den alljährigen milden Gaben an die Kinder ganz zerschlissen und wund war vom Ausschwärmen seiner Mitschwestern und -brüder, damit ihm, dem Ur-Teddy, ein jeder sein Leid klagen konnte. Und Niklas Laasen war sein Bewahrer und Hüter.

Er hatte die Sonnenreflektoren seines Ganzkörperhybridanzuges geöffnet und hielt seinen alten Kameraden und Wegbegleiter in den Armen, als er seinen Akku vom Netz nahm und ganz allmählich in der ungefilterten Mittagshitze zu verglühen begann, wie der letzte Funken Hoffnung, um dann wie ein unbeholfenes Phoenix-Baby aus seiner Asche neu zu erstehen.
So vollzog sich jedes Jahr zu Anfang des Rades der Kreislauf und begann von Neuem …

© CRSK, Le, 07/2022

Bitte folgen & liken:
RSS
Follow by Email
Facebook
Twitter
Pinterest
Instagram
Soundcloud
LinkedIn
Fb messenger
Xing

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung