Collage zum Tauziehenprojekt

Selbstgespräch

„Wenn ich es recht bedenke, bist du nicht meine Mamu“, sagte das Rama, als es sich mit seinen öligen Fingern über die Glatze seines Kopfes fuhr.
„Wenn ich es richtig verstehe, dann bist du auch nicht wer anders, der mit mir befreundet ist oder vielmehr war“, sprach das Rama weiter und zerbrach dabei den Krug, den es vor Uhrzeiten einmal am Straßenrand gefunden und mit Nachhause genommen hatte, an Ort und Stelle, um ihn nicht mehr zum Brunnen zu tragen.
„Allerdings stelle ich hiermit fest, dass du ich bist und ich du, wie die Zwillinge am Himmel deines Baldachins überm Bett, den man dir zum Geburtstag geschenkt hatte, als du sieben Jahre alt gewesen warst und niemand dir vorher verraten hat, dass er dich nicht vor bösen Träumen und Taten schützen kann“, fuhr das Rama fort und verwob persönliche Erinnerungsstücke seiner Mutter mit den seinen zu einem Stimmungsbild in der Augensekunde seines Atems.
„Und du bist auch der Nabel meiner Welt und die Schnur hin zum Bemuttern meines und unseres Kindseins“, stellte das Rama weiter fest, als es die Asche seiner Wünsche hinzufügte und die Kiesel, die in Kindertagen seine nackten Fußsohlen am Ostseestrand piekt hatten.
Dann stellte es fest, dass sich die Wollschnur seiner Finger um das Haus aus Kalk schlang, dass der Schnecke gehört hatte, die ihm einmal auf der Nasenspitze herumgetanzt war.
„Ach, wenn es doch nur so gewesen wäre“, sinnierte das Rama weiter, fühlte Melancholie in seinem Herzen und legte dieses ebenso in das Bild seiner Stimmung von heute. Es hatte Hunger, stellte es fest.
„Die Nudeln dafür findest du in der linken, oberen Schublade vom Küchenschrank“, sprach das Rama mit sich selbst und beschloss noch ein paar blaue Flusskiesel zum Bild seiner Stimmung hinzuzutun.

© CRSK, Le, 02/2020

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