Vom Leid des Schachtelteufels

Bluna 2

Herr Ochse war ein kleingewachsener Schmächtling. Er hatte sich eine Teichrose an das Revers seines zerknitterten Sonntagsstaates geheftet und war so erst kürzlich auf die Walz seiner ahnenden Schatten gegangen.
Unterwegs hatte er sich an der Wegscheide zum Hain der Zwergenfänger eine weiße Taube von ihnen ausgeliehen und sie auf seinem kahlen Schädel nisten lassen. So war er nie allein gewesen, wenn ihn seine nackten Füße unterwegs mal wieder quälten, weil sie an der Scharfkantigkeit seiner Sphären zu leiden hatten. So hatte er in diesen Fällen stets einen Klecks Taubenschiss in der Hand gehabt, um sich damit seine Wunden zu salben und sie sich danach ein wenig zu lecken.

Herr Ochse war ein Pilger des Himmel- und Hölle-Spieles gewesen, der seine Waagschale noch nicht austariert hatte, umso besser zwischen dem Jinner und dem Yanger seines Wesens balancieren zu können. Wobei es zumeist sein eigenes Fegefeuer gewesen ist, dass er durchwanderte und nicht das anderer Leute oder gar der Welt selbst.
Und so manches Mal hatte er dabei seinen ureigenen Hausdrachen von der Leine gelassen, damit dieser sich in der Brunst des Feuers austoben konnte. Schließlich ist er sein Schoßhündchen aus dem Schattenreich gewesen.

Und so kam es, dass Herr Ochse sich eines Tages wie ein Pfingstochse herausputzte, um dem Jammertal seines Höllenfeuers auf dem Rücken seines Haustieres zu entkommen. Als er jedoch mit fürzisch Fieber knapp links am Rattenschwanz seiner ehemaligen Rasereien vorbeigeflogen kam, wurde ihm ganz bange ums Herz und sein alter Heinrich – der Diener des Ahnenhauses seiner Blutslinie – pflockte mehr und mehr Eisen um seine Seele herum in das Fleisch der Hülle seines Herrn.
Das Eisen jedoch vertrug die – auf Herrn Ochses Kopf nistende – Taube nicht. Ihr anfangs noch weißes Gefieder wurde davon mit der Zeit ganz rostfarben, und das Gurren in ihrer Kehle immer krächzender. Bis schlussendlich eine Rostkrähe auf Herrn Ochses Kopf herumhüpfte und dabei mit einem kräftigen Schnabel auf ihn einhackte.

Von der anschließenden Sauerei mag ich hier gar nicht weiter schreiben. Nur so viel:
Herr Ochse hatte Glück im Unglück eines Anfängers der positiven Weltensicht. Denn ihm begegnete auf seinem Höllenritt die milde Gabe der Frau Metta, die ihm einen Vogelbauer mit einem Beutel voller Brosamen mit auf den Weg gab, damit dieser der Rostkrähe gut beikommen und sie mit seinen Wegzehrung anfüttern konnte.
So kam es, dass das rostfarbene Gefieder der wetternden Krähe langsam schwand, um dem Apricot eines Flamingo-Federkleides Platz zu machen. Die Krähe wusste nicht, wie ihr geschah, als sie sich plötzlich in die Länge zog, und sie dabei die Gestalt eines Flamingos annahm.

Und der Flamingo tat schlussendlich ziemlich desillusioniert, als er versuchte, auf dem Kopf von Herrn Ochse zu balancieren, um der Rostkrähe Leibspeise bis zum letzten Brosamen an Wahrheiten zu verdauen. Denn dieser ritt noch immer in wilder Hatz seinen Hausdrachen und konfrontierte sein Glück im Un des Lebens mit jeglicher Provokation der Grenzen zum Erträglichen.
Der Flamingo fühlte sich mächtig geknödelt, auch wenn Herr Ochse seine bisher umtriebigen Triebe gar nicht so gehörig ausgeizte. Einzig der Hausdrache von Herrn Ochse tat etwas affektiert, fragte er sich doch, ob sein Reiter es ernst mit dem Flamingo meinte. Schließlich hätte er ja auch gut und gern mit ihm als Putter minigolfen können, so wie es die rote Königin im Nachbarreich stets in dem Vorgarten ihres Schlosses zu tun pflegte. Denn er wusste nur allzu gut, dass Herr Ochse in diesen Dingen ein wahrer Schachtelteufel sein konnte, wenn ihm eins seiner Böhnchen verquer im Gedärm saß und ihn quälte.

© CRK, G. 05/2020

Reizworte:

 

  • Pfingstochse
  • knödeln
  • affektiert
  • Anfängerglück
  • ausgeizen
  • desillusioniert
  • Provokation
  • apricot

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