Diverse Verhexungen

13te Monat

Die Wilde Hatz der zwölf Hexenköniginnen und ihrer Heerscharen aus Schimären voller ungeheurer Untiere und Geister hatte längst begonnen, als Kein, der dreizehnte Monat im zukünftigen Jahresrad, den es hätte nie geben dürfen, eilig seine sieben Sachen zusammenraffte, um mit seinen Hörigen das Weite des Nirgendlandes aufzusuchen und sich und die Seinen in der Vergessenheit des Urvolkes zu verlieren.
Kein war der Vater lauter ungeborener Sekunden, Minuten, Stunden und Tage sowie Wochen, die allesamt – laut Kodex der herrschaftlichen Hexinnen  – nie hätten existieren dürfen, es aber auf Grund eines Irrtums von Seiten der Oberhexenkönigin trotzdem taten.
Siegrun, die Anführerin des Geheimbundes der Hexenköniginnen, hatte nämlich inmitten ihrer Zeremonie zum heiligen Julfest des Bündnisses der Zweifaltigkeit aus Phallus und Yoni die Himmelscheibe des Andros fallengelassen, und deshalb bei ihrer Berechnung des nächstfolgenden Jahresrades, die Sonne und den Mond in ihren Positionen miteinander vertauscht und somit das Chaos des dreizehnten Monats heraufbeschworen.

Kein würde bei dieser Jagt nicht viel ausrichten können. Es sei denn, ihm würde es gelingen, seinem und ihrer aller Großvater Schmodin den weißen Bart abzuringen und sich selbst anzukleben. Denn dieser besaß die Gabe, alle Wünsche, die man sich zum Julfest erträumen würde, wahr werden zu lassen.
Und Keins größter Traum ist es gewesen, eben doch noch einen willkommenen Platz im neuen Jahresrad zu bekommen und dass er all seine Zeitkinder würde gebären und großziehen können.

Es ergab ein lautes Tohuwabohu auf den Wolkenfeldern vor den Pforten des Himmels. In dieser Nacht sowie in den darauffolgenden erblickten hauptsächlich verlorene Hermas der Sekunden, Minuten, Stunden und Tage sowie Wochen das Licht der Welt zu Schmodins Füßen. Und sie alle hatten zwittrige Götzenbilder mit Phallus- sowie Yoni-Symbolen im Gepäck, um die gutgläubigen Nordmenschen damit zu bescheren.

Die Folgen waren verheerend …

In einem Dorf mit dem Namen Mondklee, in der Nähe der Schluchsee am Kap der verlorenen Seelen, wurden die Nordfrauen und Nordmänner mit einem Schlag toll und meuchelten sich gegenseitig in einem blutigen Sinnesbad ohnegleichen. Dabei verleibten sich die überlegenen Nordfrauen die Phallen der niedergestreckten Nordmänner ein, während sich die stärkeren Nordmänner der Yonis der schwächeren Nordfrauen bemächtigten.
Es kam also zu einer Patt-Situation, und niemand von den Nordmenschen an diesem abgelegenen Ort am Kap der verlorenen Seelen konnte die Oberhand für sich beanspruchen. Bis der letzte Nordmann und die letzte Nordfrau übrigblieben und langsam aus ihrem Rausch der blutigen Sinne erwachten, während alle anderen wie Puppen entseelt im Dreck lagen.

Alles war besudelt. Allmählich errötete der Horizont der Schluchsee, und ein neuer Tag kündigte sich an. Hand in Hand begrüßten ihn die letzte Nordfrau sowie der letzte Nordmann als Frann und Mau des Nordens.

Siegrun, die Oberste der insgesamt 12 Hexenköniginnen, hatte ihr Netz – während des wilden Rittes auf ihrem Hexenbesen – nach dem dreizehnten Monat, den es hätte nie geben dürfen, ausgeworfen und Kein letzten Endes mit ihrer Liebgereiztheit betört.
Nun kniete er ihr am Kap der verlorenen Seelen zu Füßen, während die übrigen elf Hexenköniginnen auf ihren fliegenden Besen einen Bannkreis um ihre Anführerin und deren Gejagten zauberten. Die gesamte wilde Hatz türmte sich nun über ihnen in Form eines Tornados auf und verweilte an Ort und Stelle.

Siegrun zerbrach mit Macht die Himmelsscheibe von Andros über Keins geneigtem Haupt und verwandelte ihn somit zu einem Findling. Danach setzte sie auf der glatten Oberfläche des Felsbrockens die Himmelsscheibe wieder zusammen, und es entstand das Mosaik eines neuen Weltbildes.
Der erste Frann und die erste Mau allerdings wanderten aus, gründeten an den Ufern des Feuerflusses ein neues Geschlecht und gebaren einander ungezählte Nachfahren. Sie wurden begabte Flusspferdreiter und pflegten einen regen Austausch mit Mutter Natur …

© CRK, G, 11/2020

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