Tschill mal!

Tschill mal!

Der General dampfte rosafarbene Hochdruckdampfwolken aus seinen Ohren und pfiff die Melodie seines Herzens laut vor sich hin. Außerdem sauste ihm sein Frack um die Ohren und niemand konnte ihm dabei helfen, sich zu beruhigen.
Sein Vogel flatterte aufgeregt herum, mal rin in die Kartoffeln seines Vogelbauers und mal raus aus den Kartoffeln. So dass der General davon schon ganz meschugge wurde und sich mit seiner spitzen Zunge, die immer länger wurde vom Durst nach der Normation seines Lebens, gierig das Salz seiner Umstände von den Lippen leckte.
Das waren alles keine Kinkerlitzchen, die er da zu bewältigen hatte, und er war dabei immer bemüht die Einflugschneise seiner Landebahn nicht allzu sehr plattzuwalzen, damit dort danach auch noch das Getier seiner Umgebung leben konnte.

Der General hatte sich eine Clownsnase ins Gesicht gemalt und sah in seinem Blickfeld nur noch den rosigen Kohl aus seinem verwilderten Garten Eden, der nur über das Schneckentreppenhaus zu seiner Kemenate erreichbar gewesen war. Er trug sogar einen Spitzkohl als Hut, der auch gleichzeitig als Vogelbauer fungierte.
Wenn sich hier jemand in Pietät üben würde, dann waren es die Brokkoli-Röschen, die allesamt eine Schleife um den Leib trugen und das subtile Nervenfutter für seinen Vogel darstellten.

Händeringend betete der General seinen inneren Haussegen an, der schief hing und nichts dafür konnte, dass sein General sich immer wieder wie ein Hochdruckdampfkessel fühlte, obwohl er eigentlich dringlichst abchillen wollte und den lieben Gott einen lieben Mann sein lassen wollte.
Im Prinzip hatte er gar keine Ahnung davon, was er gerade zuerst fühlte.

Er war ein Traumwandler, der grobschlächtig mit sich selbst und seinem Umfeld umging, anstatt beschwingt den Strauß Blumen anzunehmen, den ihn sein Leben gerade freundlich entgegenhielt.
Er konnte es niemandem recht machen, und er selbst hakte am meisten auf seiner eigenen Person herum, wie der ausgehungerte Geier in der durstigen Wüste, der nur darauf wartete, dass sein Opfer eine Schwäche zeigte.

Der General unterhielt sich angeregt mit sich selbst und spielte das Murmelspiel mit dem Konglomerat seiner Emotionen, bevor er seinen Spitzkohlhut in sich hineinstopfte und sich den rosigen Kohl aus den Augen klaubte und angereichert mit Chlorophyll in den nächsten Morgen hinausschwankte. Er war grün hinter den Ohren.

© CRK, Le, 10/2020

Reizworte:

  • Fracksausen
  • Kinkerlitzchen
  • Anreichern
  • Ergötzen
  • Leutselig
  • Grobschlächtig
  • Beschwingt
  • händeringend

 

  • Einflugschneise
  • Pietät
  • Subtil
  • Konglomerat
  • Strauß
  • Anregend
  • Treppenhaus
  • General

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