Liebe dich selbst, so wie deinen Nächsten

„Sie liebt mich, sie liebt mich nicht.
Sie mag mich sehr, sie mag mich nicht.
Sie hat mich gern, sie kann mich gern mal haben“,

dachte Bommel, als er dem Gänseblümchen
die Blütenblätter einzeln ausriss
und sich mit jedem Male
immer noch ein bisschen mehr
dramatischer fühlte als vorher
und sich dabei auch ausmalte,
wie sie den Mann, der neben ihm stand –
und ein Teil seiner selbst hätte sein können –
an seiner statt in den Himmel hob,
weil dieser in ihrer Vorstellung
eine große Männlichkeit besaß
und sie ganz nebenbei auch charmant
um den kleinen Finger wickeln konnte,

wohingegen ihn selbst die gelbe Sucht zernagte.

Er war nicht der Mann ihrer Träume,
ihm hing kein Schwanz zwischen den Beinen.
Er war oft nahe am Wasser gebaut,
schrieb leidenschaftliche Texte an die Wände seines Seins
und malte anderen die Welt seiner Phantasie auf ihre Seele.

Er würde sich nie selbst genügen und somit auch ihr nicht,
das war auch gar nicht ihr Ansinnen und dennoch
seine große Sehnsucht, bevor er sie in seinen Träumen
an die Hand nahm und sich selbst dabei umarmte.

© CRK, LE, 10/2020

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