enterich

Von Schuhen, die nimmer passen wollen

enterich

Da ist es wieder. Ich meine dieses Ziehen im Herzen, wenn mich das Gefühl beschleicht, da nicht mithalten zu können und vielleicht auch nicht den Ansprüchen genügen können.
Wessen Ansprüche?
Vermutlich meine eigenen an mich selbst und ganz vage auch an mein Gegenüber? Denn meine Jemanderine adressiert, glaube ich, solcherlei Dinge nicht an mich, weil sie eben von Natur aus ein Freigeist ist.
Und dann beginnt sich mir die Unsicherheit katzenhaft von hinten anzunähern und um meinen verzagten und dennoch mutigen Stand(punkt) herumzuschnurren und zu miauzen. Damit sich meine Beine ganz allmählich voneinander spreizen und locker auf zwei Inseln des ursprünglichen Standes zum Stehen kommen, um dieses diffuse Gefühl über die unteren Körperöffnungen in mir willkommen zu heißen.
Oder vielmehr nicht willkommen, aber dennoch ihm so den Weg zu ebnen, dass es sich präsent in mir ausbreiten und am Ende jede meiner Körperzellen erobern kann. Bis ich innerlich zittere wie Espenlaub und dabei mich selbst vergesse, und mir harsch über meine Herzenslandschaft fahre und jedes Ja-Aber mit einem Mantel aus Schweigen zudecke.
Ja, ich nehme meine Herausforderungen an. Und ja, ich möchte an ihnen wachsen und auch meine Erfahrungen sammeln. Aber ich habe keine Ahnung, ob ich das auch wirklich kann.?
Die Zweifel wollen sich nicht einfach so zudecken lassen, sondern werden so nur noch lauter, und mein Herz fragt sich: „Was, wenn sie Jemandem begegnet, den oder die sie noch viel toller findet als mich? Verliere ich dann etwas, was ich vom Prinzip her nie besitzen kann und das ich – von der Vernunft her – auch gar nicht wie ein stoffliches Ding haben mag?“
Goldene Käfige fand ich von jeher schon immer scheiße. Doch der böse Giftzwerg in mir, dessen Nahrung Neid und Eifersucht und auch Selbstzweifel und die Unsicherheit sind, findet so eine Bedrängnis toll. Der will allen Ernstes meine Zuneigung zu ihr tatsächlich dort hineinsetzen und vielleicht sie gleich mit dazu, dann abschließen und oben drein noch den Schlüssel dazu wegwerfen.
Und wenn du mich fragst, dann finde ich das sehr grausam. Aber du fragst mich ja leider nicht. Sondern du hockst in deiner Stinkerecke und dickschst dort herum, anstatt den Mund aufzutun und uns mit mir gemeinsam gut zu umsorgen.
Du willst erwachsen sein beziehungsweise werden? Na dann verhalte dich bitte auch so. Und nein! Sie ist nicht er. Sie ist ein ganz anderer Mensch, und das Vergangene wiederholt sich nicht noch einmal. Sie ist dir von Grund auf wohlgesonnen und würde dich nie zu etwas bewegen, zu dem du nicht bereit bist, auch wenn du es dir noch sehr ersehnst, erhoffst und erwünschst. Und sie würde dir auch nicht bewusst weh tun wollen und dich auch nicht anlügen. Ich vertraue ihr da voll und ganz.
Aber du kannst jetzt auch nicht von ihr erwarten, dass sie allein für uns sozusagen stehen bleibt und ihren ureigenen Weg nicht weitergeht, um auf uns zu warten? Also ich meine, sie hat schließlich auch ein Leben und ihre eigenen Bedürfnisse. Das verstehst du doch, nicht wahr?
Ja, ich weiß. Sie ist eine Herausforderung für uns beide. Aber sind das irgendwo nicht all die Menschen für uns, die wir in unsere Komfortzone hineinlassen? Egal, ob wir uns in sie verlieben oder nicht.
Also zieh jetzt bitte die Kinderschuhe wieder aus. Die passen dir doch längst nicht mehr, und komm bitte mal ne Runde Kuscheln. Ich mache uns auch eine Espresso-Kakao-Spezialmischung. Eine dürfen wir heute Morgen ja noch …

© CRK, Le, 09/2020

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