Licht bedingt auch Schatten

Der Destroyer war eigentlich gar kein Zerstörer vom Dienst, aber in der Finsternis, die ihn umgab und fest umhüllte, sah er so aus, auch wenn die Discokugeln seines Spiegelsaales ihn bunt beleuchteten und zarte Gänseblümchen auf dem Stahl seines Ungetüms von einem Krampfanten wuchsen, in dem er zu Zeiten wie ein verzweifelter Panzerwagenführer steckte und über die Kontrolle seiner Steuerung kämpfte.
Leider erfolglos.
Wie immer, wenn ihm ein Lichtwesen der anderen Art begegnete und daran glaubte, ihn in einen rosaroten Elefanten ihrer Herden verzaubert zu haben. Doch das sollte dann meist eine geirrte Wirrung der Herzenssinne sein.
So jedenfalls war es auch dieses Mal, wo er doch seine Riddikly mit seiner Energie umgarnt hatte, ohne dass er sie dabei hatte ernsthaft festsetzen und bedrängen wollen. Nur ist sie, so wie jedes Mal in diesen besonderen Fällen, der passende Schlüssel für sein verrostetes Schloss gewesen, und er hatte gar nichts dagegen tun können …

Jetzt jedenfalls stand er inmitten seines Spiegelsaales und zertrümmerte mit der Hilfe seines gepanzerten Krampfanten-Ungestüms jedes seiner Spiegelbilder und hinterließ sein Chaos inmitten einer Wüste aus verrosteten Stahlträgern und nun leeren Fensterhöhlungen und zerschundenen Türen sowie kaputt geschlagenen Discokugeln.
Die Augen seines Ungestüms waren hohl, und doch konnte er sehen, wie es sein pochendes Herzragout verspeiste und dabei jede Regung seines Daseins fühlte.
Nur die Gänseblümchen auf seinem verrosteten Krampfanzug ließen sich davon nicht abschrecken. Sie sangen fröhlich mit ihren Heliumstimmen:
„Ich bin ein Gänseblümchen im Sonnenschein,
und durch meine Blüte fließt die Sonne in mich rein
Ich bin ein Gänseblümchen und mir wird ganz warm
Ich könnt die ganze Welt und dann mich selbst umarmen.
Ich bin ein Gänseblümchen ohne Aggression
Wut, Ärger – was bringt das schon?“

Nichts davon war real, das wusste der Destroyer, der im Prinzip gar keiner war. Aber er fühlte es justament in diesem Augenblick so, als er an seinem Schreibtisch saß und ihm die Tool-Schreibmusik seine Sinne ausfüllte und in die Lücken seines äußerlichen Ungetüm-Panzerung eindrang und den Hohlraum darin und auch das Vakuum seinem Herzen ausfüllte, bis er zum Bersten angefüllt war mit dem Teer der letzten Tage und schließlich wie das Konfetti in einem Luftballon explodierte, den man mit einer Stecknadel gekitzelt hatte.

Riddikly hatte sich aus seiner Energie befreit und hatte ihn währenddessen seiner Krampfes-Rüstung beraubt. Da stand er, der eigentlich Charleston geheißen hatte, nackt vor den gefühlten Trümmern der vergangenen Zeitblase. Tatsächlich lag aber ein buntes Konfettihaufen zu seinen nackten Füßen, und dazwischen lugten Puzzleteile hervor.
Dieses eine Mal spürte Charleston, der nun kein Destroyer mehr gewesen war, Demut in seinem Herzen und machte sich daran, sein Puzzle vom Leben wieder zusammensetzen.
Riddikly allerdings würde ein (un)gelebter Traum in weiter Ferne bleiben …

© CRK, Le, 09/2020

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