Sommernacht

Schiwawau hatte Riddiklys Drops zwischen den Zähnen und kratzte sich nun mit seiner linken Zehenspitze das Innere seiner gespitzten Ohren. Einige Pusteln hatten sich dort hinein verirrt und juckten Schiwawaus Gemüt.
Normalerweise hätte er sich diese Ohren aus seinem Hundekopf herausgerissen, um sich flugs neue nachwachsen zu lassen. Sie hörten ihm sowieso viel zu genau hin. Doch er war abgelenkt. Denn er hatte den Drops noch nicht gelutscht.

Riddikly musste lächeln und zwirbelte ihr weißes Haupthaar. Sie zupfte sich ein einzelnes Haar aus ihrem Schopf, während sie auf einem der neun Schemel hockte, die im Kreis um Schiwawau herumstanden und legte dieses Haar ihrem Gottvater zu Füßen. Dann breitete sie ihre sonnengebräunten Arme aus und ließ ihrem Schweinkrams freien Lauf, in dem sie lauter Ferkel herbeizauberte, die sich das einzelne weiße Haar mit ihren Schnauzen schnappten und Schweine-Ping-Pong damit spielten.
Die Ferkel waren teils schwarz und teils weiß gefärbt, und manche von ihnen trugen eine schwarz-weiß gefleckte Haut. Sie quiekten sich allerlei Stoßgebete zu, bevor sie dazu übergingen, sich gegenseitig ihre Speckschwarten windelweichzuklopfen. Damit sie sich diese einander abziehen konnten, um einen Öl-Sud daraus zu sieden, den sie in Schiwawaus neun Petroleumlampen einfüllten, um ihn und sich selbst damit zu erleuchten.

Als die Ferkel völlig nackt gewesen waren und etwas unglücklich dreinblickten, weil ihnen die Lust am Spielen vergangen war, zupfte sich Riddikly in einem fort an der Nase, doch sie wollte und wollte nicht länger werden, und Schiwawaus Weisheit ließ auf sich warten. Seine gespitzten Ohren juckten ihm noch immer, während seine Zehen inzwischen vor Ohrenschmalz strotzten und damit Riddiklys Opfergabe einfetteten.
Schiwawau zwirbelten dieses einzelne Haar immer weiter in die Länge, bis er daraus eine Endlosgeschichte häkelte und sich und allen anderen diesen Poncho überwarf. So saßen sie schließlich allesamt im Kreis beim Öllampenschein und betrachtet den sommerlichen Sternenhimmel.

Als schließlich Riddiklys Augen kleiner wurden und ihr die Lider immer wieder zufielen, fing sie an, die Sternlein am Firmament zu zählen und ihnen kleine Nummernschilder um ihre gezackten Ränder zu hängen, bevor sie sich ihren Charleston herbeisehnte, um mit ihm gemeinsam unter dem freien Sommernachthimmel einzuschlafen.
Schiwawaus Ohren waren inzwischen überreizt und so spitz, dass er diese auf Riddiklys nackte Schultern legte. So streichelte er sie in den Schlaf und erhob sich schließlich, um den nächsten Tag aus dem Fundus seiner Göttergattin Parwa einzukaufen.

© CRK, Le, 08/2020

 

Reizworte:

  • Zehenspitzen
  • Windelweich
  • Stoßgebet
  • Auflegen
  • Petroleumlampe
  • Einkaufen
  • Zupfen
  • Überreizt
  • Nummernschild

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