Hindernisse

Morf war ein kleinwüchsiger Morfing, der sich morphologisch verändern konnte, wenn er die Entspannung in Person gewesen war. Nur der Stress seines eigenen Daseins konnte ihn daran hindern, seine äußere Körperhülle, der inneren Eingebung und Gegebenheiten anzupassen.
Und just in diesem Augenblick der Prüfung seines Lebens schwitzte sich Morf die Seele aus dem Leib. Lauter Glasperlen rannen ihm über seine angespannte graue Steinhaut und bildeten ungezählte Rinnsale bis hin zu kleineren Sturzbächen, die seine Körperlandschaft zerfraßen, bis er gefühlt nur noch Sand und Staub gewesen war.
Dies ist zwar auch eine gewisse Art von gemorphten Dasein gewesen, aber eben nicht das angestrebte Ziel seines aktuellen Leides.
Morf kniff seine Knopfaugen zusammen, wünschte sich ganz fest, kein Stein mehr zu sein, sondern eine Sonnenblume, doch unter diesen Bedingungen wollte es ihm einfach nicht gelingen.
Denn seine Umgebung war immer noch mit der Hitze des Vortages aufgeladen, die alles niederdrückte und gen Nullpunkt fahren ließ, obwohl sich schon längst ein wohltuender Regen aus Daunenfedern und Seifenblasen angekündigt hatte.
Morf wünschte sich das Ting seiner Morfing-Ahnen herbei. Denn er wollte eben unbedingt eine Sonnenblume sein. Er hoffte nämlich, dass ihn Kandula, seine Elefantistin, die er aus der Entfernung anbetete, so eher pflücken und liebhaben würde.
Doch all seine Bemühungen blieben an diesen Morgen unerhört erfolglos. Er war und blieb ein schwitzender Felsbrocken, wenn auch in Herzform, und Kandula betrachtete ihn, wie an jedem Morgen, mit ihrem liebreizenden Augenaufschlag, als sie an ihm vorbeischlenderte, um sich auf die Suche nach Godot zu machen, weil sie ihn oder vielmehr etwas Unbestimmtes in sich selbst vermissen tat.
So blieb Morf an diesem Sommermorgen der schönste Felsbrocken in seiner Nachbarschaft, der Glasperlen schwitzen konnte und diese auch zum Schmelzen brachte, so dass sich über die Zeit ein gläserner See um ihn herum gebildet hatte.
Aber dennoch war er in der Lage, sich morphologisch zu verändern. Nur war er eben so gut wie nie tiefenentspannt bei seiner Sache. So sehnte er sich Zeit seines Lebens danach, wer anderes zu sein, bis ihn seine gläsernen Schweißperlen vollends zu Staub und Sand zerfressen hatten und ihn seine ehemalige Komfort-Zone in der Sommerbrise tanzen lies und er sie dabei mit seinen Sandkörnern und Staubflusen ganz allmählich bis zur Unkenntlichkeit zerkratzt hatte.

© CRK, Le, 08/2020

 

 

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