Formalitäten und noch ein Outing

So. Ich habe in den letzten Tagen meinen Bewerbungsauftritt und meine Unterlagen noch einmal daraufhin überarbeitet, dass ich nonbinär transsexuell bin und auch offiziell gern Charlie genannt werden mag. Ich habe das in meinen Unterlagen nun auch kurz erläutert.
Das war für mich eine etwas schwierige Geburt, mit der ich einige Wochen auch schwanger gegangen bin. Einfach weil ich mir nicht sicher gewesen bin, ob ich die eventuellen Konsequenzen daraus auch verknusen kann, falls sie denn doch auch negativ ausfallen sollten.
Nämlich in Form von Ablehnung seitens meiner zukünftigen, eventuellen Arbeitgeber.
Außerdem greift dieser Schritt inmitten laufender Bewerbungsprozesse ein, und ich kann eben die eventuellen Reaktionen darauf so überhaupt nicht abschätzen.
Auch gab es rechtliche Fragen meinerseits, da ich ja noch gar keine Vornamens- und Personenstandsänderung durchlaufen habe und noch gar nicht die offiziellen Transitionsschritte vollzogen habe, außer dass ich mich seit vielen Jahren äußerlich sehr männlich bis unisex kleide, weil ich mich so eben viel wohler fühle und nur so auch ich bin.
Mein Künstlername Charlie Rose Kane ist zwar seit dem Sommer letzten Jahres auch in meinem Ausweis eingetragen, aber ich habe eben meinen gewünschten Rufnamen bisher nur im Freundeskreis und Onlinebekanntenkreis (und auch bei meiner Familie) eingeführt, wobei meine Familie diesen eher nicht akzeptiert.
Auch dies war ein werdender Prozess von vielen Monden …

Also Charlie möchte ich genannt werden. Das wisst ihr ja längst. Aber er soll auch mein offizieller Rufname werden. Also Charlie R.S. Kühn soll dann im Ausweis stehen. Ausgeschrieben: Charlie Roland Siegfried Kühn. Wenn das denn geht.
Dessen bin ich mir schon seit vielen Monden sehr sicher. Denn das ist meinerseits alles sehr wohl durchdacht. Zum Beispiel die ähnliche Signatur von CRK = eingetragener Künstlername und CRSK = amtlicher Name. Es hat also ein System … ^^

Im August habe ich wieder einen Termin bei meiner Psychiaterin. Die ist ja in meine Transgeschichte eingeweiht, und ich werde sie fragen, ob sie mir dabei hilft, dass ich meinen Personenstand und Vornamen evtl. auch auf diesem Diversenweg ändern lassen kann. Ich muss mich dazu aber noch gut beraten lassen. (Rosalinde)

Hmmm …. Ich schreibe ja schon seit meiner Alkoholsucht (endgültiger Ausstieg aus dieser im November 2006) in der Er-Form, wenn ich von mir erzähle und wenn ich Bewerbungen schreibe. Auch die Stef.(anie) gibt es auch schon sehr viele Jahre. Und in Sachen Bewerbungsunterlagen gab es auch immer Diskussionen darüber, warum ich das tue und dass das ja so nicht korrekt wäre. Und jedes Mal bin ich bei diesen Auseinandersetzungen in Schwulitäten gekommen, weil es sich für mich eben so richtig anfühlt. Schon immer …
Jetzt, wo ich meine Unterlagen dahingehend überarbeitet habe, fühle ich mich irgendwie befreit und auch erleichtert, obwohl ich ahne, dass ich so noch viel mehr bei Bewerbungen erläutern muss. Mich erklären? Aber das macht mir im Moment nicht so viel aus, denn ich habe das Gefühl, dass ich so viel besser zu mir stehe als vorher.

Doch mich bewegt dabei auch die Frage: Wie das andere Trans-Menschen und Leute, die divers sind, machen, wenn sie noch keine Vornamens- und Personenstandsänderung gemacht haben? Auch ist die Frage aufgetaucht, ob ich in diesem rechtlichen Ist-Stand schon mit Charlie unterschreiben darf oder nicht?
Weil ich mir nicht sicher gewesen bin, habe ich das mal bei meinen Geburtsnamen belassen, will ja keinen Ärger bekommen. Außerdem sind meine Zeugnisse ja sowieso alle auf diesen Namen ausgestellt. Das kann ich erst ändern lassen, wenn in meinem Ausweis der Charlie R.S. Kühn steht.

P.S.1 und 2

Le, 08/2020

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