Über das Müssen, sich erklären zu müssen

Mein lieber Charleston,

ich frage mich, warum wir uns gegenüber anderen Menschen erklären (müssen?), wenn sie etwas oder vielmehr uns und unser Handeln nicht verstehen (wollen?). Denn ich spüre, genauso wie du und alle anderen in uns, dass das etwas mit mir und dir und den anderen in uns macht. Eher etwas Negatives, glaube ich, und das macht uns müde …
Müde des Müssens(?). Müde des Gefühls, dass etwas mit uns nicht stimmt, weil wir mal wieder anders sind als andere. Anders denken. Anders fühlen. Anders handeln. Und wir finden alle miteinander, dass dieses Anderssein manchmal ganz schön anstrengend sein kann, weil es mich und dich und die anderen auf Dauer zermürbt, wenn wir uns selbst (noch) nicht mit der dafür nötigen Liebe und Akzeptanz begegnen (wollen?) oder vielmehr können. Denn wie soll uns das jeweilige Gegenüber verständnisvoll entgegen kommen, wenn wir das selbst auch nicht gut können?
Das ist auf Dauer sehr anstrengend, ich weiß, mein Lieber.

Also können wir dieses Müssen nur ablegen, wenn wir uns selbst besser verstehen und damit auch versöhnlicher mit uns selbst umgehen? Das kann uns den Rechtfertigungsdruck mindern, meinst du das? Und alles liegt mir und den anderen dann schlüssig zu Füßen, so dass alle es verstehen? Muss das denn immer so sein?

Mir schwirrt der Kopf.
Klar möchte ich verstanden werden. Aber mich selbst erklären, mag ich nicht sonderlich. Das drückt mich mit dem Rücken an die nackte Wand einer Einbahnstraße, weil ich dann sehr oft wortlos bin und nur noch in Bildern fühlen kann.
Verstehst du?
Ich möchte mich nicht mehr erklären (müssen). Ich möchte einfach nur noch so sein, wie ich nun einmal bin und danach handeln dürfen. Einfach etwas machen, ohne großartige Erklärungen.
Warum fällt mir das gelegentlich nur so schwer?
Und warum nervt es mich, wenn meine weltbeste Freundin mal wieder etwas nicht versteht und dieses etwas (oder gar mich selbst?) kritisch hinterfragt, weil sie mich vielleicht vor etwas – in ihren Augen – Unangenehmen schützen mag?
Jedenfalls bekomme ich in diesen Fällen ganz schnell das Gefühl, dass sie mich genau gegen diese Wand drückt, mich sprachlos macht, … und das führt mir meine Hilflosigkeit vor Augen und dann wiederum werde ich ungeduldig. Mit mir selbst, mit ihr, aber auf mit anderen Menschen. Ungeduldig, aber auch wütend auf alles, was mir daraufhin verquer im Gedärm sitzt.

Das ist doch doof, oder?

Es grüßt etwas ratlos
dein Dodo

© CRK, BS, 07/2020

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